Laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) 2025 des BKA wurden in Deutschland 214.264 Fahrraddiebstähle angezeigt, 12,9 Prozent weniger als 2024. Nur 9,8 Prozent der Fälle wurden aufgeklärt. Der durchschnittliche Schaden stieg auf rund 1.454 Euro. Die Versicherer zählten rund 115.000 gestohlene versicherte Räder mit einem Rekordschaden von 1.270 Euro je Fall.
Die wichtigsten Zahlen
Zwei Quellen liefern regelmäßig Zahlen zum Fahrraddiebstahl: die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) des Bundeskriminalamts und die Auswertung des Gesamtverbands der Versicherer (GDV). Beide zählen unterschiedlich, deshalb stehen sie hier getrennt.
Polizeiliche Kriminalstatistik (BKA):
Erfasste Fahrraddiebstähle: 214.264 im Jahr 2025, 245.868 im Jahr 2024. Das entspricht einem Rückgang um 12,9 Prozent.
Aufklärungsquote: 9,8 Prozent im Jahr 2025, 9,7 Prozent im Jahr 2024.
Durchschnittlicher Schaden: rund 1.454 Euro im Jahr 2025, rund 1.373 Euro im Jahr 2024.
Versicherer (GDV):
Gestohlene versicherte Fahrräder: rund 115.000 im Jahr 2025, rund 135.000 im Jahr 2024.
Leistung der Versicherer: rund 150 Millionen Euro im Jahr 2025. Für 2024 hatte der GDV rund 160 Millionen Euro genannt (zitiert nach ZDFheute), die Summe ist also trotz 20.000 Fällen weniger nur leicht gesunken.
Durchschnittliche Leistung je Fall: 1.270 Euro im Jahr 2025 (Rekordwert), 1.190 Euro im Jahr 2024.
Zur Einordnung: Rechnerisch wurden 2025 laut PKS jeden Tag rund 590 Fahrraddiebstähle angezeigt. Die tatsächliche Zahl liegt höher, weil nicht jeder Diebstahl bei der Polizei gemeldet wird.
Warum die Fallzahlen sinken
Der Rückgang beim Fahrraddiebstahl ist deutlich stärker als beim Diebstahl insgesamt. Alle Diebstahlsdelikte zusammen sanken laut PKS 2025 um 6,5 Prozent auf 1.813.141 Fälle. Fahrräder liegen mit minus 12,9 Prozent also klar darüber.
Das BKA nennt in seinem Bericht zur PKS 2025 mögliche Gründe. Eine Formulierung ist für alle interessant, die über einen Tracker nachdenken: „Beim Fahrraddiebstahl könnte die Nutzung von GPS-Trackern … eine Rolle spielen.“ Das ist bewusst vorsichtig formuliert. Das BKA sagt nicht, dass Tracker den Rückgang verursacht haben, sondern dass sie ein Faktor sein könnten.
Diese Vorsicht solltest du übernehmen. Ein Tracker hält einen Dieb nicht automatisch ab, vor allem wenn er gut versteckt ist und der Dieb nichts davon weiß. Er kann aber die Chance erhöhen, ein gestohlenes Rad wiederzufinden. Wenn sich unter Dieben herumspricht, dass hochwertige Räder häufiger geortet werden, kann das zusätzlich abschreckend wirken. Belastbar messen lässt sich dieser Effekt mit den vorliegenden Zahlen nicht.
Weitere Faktoren sind denkbar: bessere Schlösser, mehr gesicherte Abstellanlagen, verändertes Anzeigeverhalten. Die PKS zählt nur angezeigte Fälle. Sinkt die Bereitschaft, einen Diebstahl zu melden, sinkt auch die Statistik.
Für dich als Radfahrer ist die Richtung trotzdem eine gute Nachricht: Das Risiko ist 2025 gesunken. Verschwunden ist es nicht, rechnerisch bleiben es Hunderte angezeigte Fälle pro Tag.
Polizei vs. Versicherer: Warum die Zahlen so unterschiedlich sind
Die PKS kommt auf rund 214.000 Fälle, die Versicherer auf rund 115.000. Das ist kein Widerspruch, sondern liegt an unterschiedlichen Zählweisen.
Die PKS erfasst alle Fahrraddiebstähle, die bei der Polizei angezeigt und bearbeitet wurden, egal ob das Rad versichert war oder nicht. Der GDV zählt nur die Räder, für die eine Versicherung, meist die Hausratversicherung oder eine spezielle Fahrradversicherung, tatsächlich gezahlt hat. Unversicherte Räder und Fälle, in denen die Versicherung nicht leistet, tauchen dort nicht auf.
Beide Zahlen gehen in dieselbe Richtung: weniger Fälle, höherer Schaden pro Fall. Das macht den Trend glaubwürdiger, als es eine einzelne Quelle könnte.
Für dich heißt das: Ohne Anzeige bei der Polizei zahlt in aller Regel keine Versicherung. Erstatte also immer Anzeige, auch wenn die Aufklärungschance gering ist. Wie Versicherungen mit GPS-Trackern umgehen und was du im Schadenfall brauchst, erklärt unser Ratgeber zu GPS-Tracker und Fahrradversicherung.
Der Schaden pro Rad steigt
Beide Quellen zeigen einen steigenden Durchschnittsschaden. Laut PKS stieg er von rund 1.373 auf rund 1.454 Euro, bei den Versicherern von 1.190 auf 1.270 Euro je Fall. Der GDV spricht von einem Rekordwert.
Die Statistiken schlüsseln nicht auf, welche Räder gestohlen wurden. Naheliegend ist aber, dass der wachsende Anteil teurer Räder, vor allem E-Bikes und hochwertiger Trekking- oder Lastenräder, den Durchschnitt nach oben zieht. Ein E-Bike kostet meist ein Vielfaches eines einfachen Stadtrads.
Das erklärt, warum die Gesamtleistung der Versicherer trotz deutlich weniger Fällen nur von rund 160 auf rund 150 Millionen Euro gesunken ist. Weniger Diebstähle, aber jeder einzelne ist teurer.
Gerade bei E-Bikes lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf den Schutz. Unser Ratgeber zum GPS-Tracker fürs E-Bike zeigt, welche Lösungen es gibt, vom nachgerüsteten Tracker bis zu Systemen, die manche Hersteller direkt einbauen.
So liest du die Statistik richtig
Bei Kriminalstatistiken lohnt sich ein zweiter Blick. Drei Punkte helfen dir, die Zahlen richtig einzuordnen.
Hellfeld und Dunkelfeld: Die PKS zeigt nur das sogenannte Hellfeld, also Taten, die der Polizei bekannt werden. Wer einen Diebstahl nicht anzeigt, etwa weil das Rad alt war oder keine Versicherung zahlt, taucht dort nicht auf. Wie groß das Dunkelfeld beim Fahrraddiebstahl ist, lässt sich aus der PKS nicht ablesen.
Zählzeitpunkt: Die PKS ist eine sogenannte Ausgangsstatistik. Ein Fall wird erst gezählt, wenn die Polizei ihre Ermittlungen abgeschlossen und an die Staatsanwaltschaft abgegeben hat. Ein Diebstahl vom Dezember 2024 kann deshalb in der Statistik für 2025 landen.
Durchschnitt ist nicht Normalfall: Ein Durchschnittsschaden von rund 1.454 Euro heißt nicht, dass ein typisches gestohlenes Rad so viel wert ist. Wenige sehr teure Räder ziehen den Durchschnitt nach oben. Für deine Entscheidung zählt der Wert deines eigenen Rads.
Unterm Strich zeigen beide Datenquellen für 2024 und 2025 dieselbe Richtung. Fahrraddiebstahl bleibt ein Massendelikt, auch wenn die Zahlen sinken.
Was das für dich heißt
Die Aufklärungsquote von 9,8 Prozent ist die wichtigste Zahl für deine Planung. Wird dein Rad gestohlen, stehen die Chancen schlecht, dass die Polizei den Täter ermittelt. Und selbst ein aufgeklärter Fall bedeutet nicht zwingend, dass du dein Rad zurückbekommst. Deshalb zählt vor allem, was du vorher tust.
Gutes Schloss und richtiges Abstellen: Schließ dein Rad immer an einem festen Gegenstand an, nicht nur das Hinterrad. Nutze bei teuren Rädern zwei Schlösser unterschiedlicher Bauart. Stell das Rad zu Hause in einem abschließbaren Raum ab.
Rad dokumentieren: Notiere Rahmennummer, Marke, Modell und Farbe, mach Fotos und heb den Kaufbeleg auf. Ein Fahrradpass, wie ihn viele Polizeidienststellen anbieten, hilft bei der Anzeige und bei der Zuordnung eines gefundenen Rads.
Versicherung prüfen: Kläre, ob deine Hausratversicherung Fahrraddiebstahl abdeckt, bis zu welchem Betrag und ob es Einschränkungen gibt, zum Beispiel bei nächtlichem Abstellen im Freien.
GPS-Tracker als zusätzliche Ebene: Ein Tracker ersetzt kein Schloss, kann aber helfen, ein gestohlenes Rad wiederzufinden. Er schickt dir eine Benachrichtigung, wenn das Rad bewegt wird, und zeigt dir den Standort. Wichtig ist ein gutes Versteck, damit Diebe ihn nicht sofort entfernen. Ideen dazu findest du in unserem Ratgeber zum Verstecken eines GPS-Trackers am Fahrrad. Was im Ernstfall konkret zu tun ist, erklärt der Ratgeber GPS-Tracker gegen Fahrraddiebstahl.
Bei einem Diebstahl gilt: Geh mit den Standortdaten zur Polizei und hol dir dein Rad nicht auf eigene Faust zurück. Eine Konfrontation mit Dieben kann gefährlich werden, und die Polizei kann mit den Ortungsdaten gezielt handeln.
Eine Übersicht passender Geräte mit Akkulaufzeit, Größe und Kosten findest du auf unserer Vergleichsseite GPS-Tracker fürs Fahrrad.
Worauf du bei einem GPS-Tracker fürs Fahrrad achtest
Wenn du dich für einen Tracker entscheidest, helfen dir diese Punkte, Herstellerangaben gezielt zu vergleichen:
Bewegungsalarm: Der Tracker sollte dich benachrichtigen, sobald das Rad bewegt wird, und nicht erst, wenn du selbst in die App schaust.
Akkulaufzeit: Ein Tracker mit leerem Akku hilft niemandem. Prüf, wie lange das Gerät laut Hersteller durchhält, und plane feste Ladetermine ein. Für E-Bikes gibt es auch Geräte, die ihren Strom aus dem Fahrradakku beziehen.
Größe und Versteck: Je kleiner das Gerät, desto mehr Verstecke kommen infrage, etwa im Lenker, in der Sattelstütze oder im Rücklicht. Ein sichtbar montierter Tracker ist schnell abgeschraubt.
Netztechnik: Achte auf LTE-M, NB-IoT oder LTE. Reine 2G-Geräte verlieren ihre Verbindung, wenn die Netzbetreiber 2G im Jahr 2028 abschalten. Details dazu findest du in unserem Ratgeber zur 2G-Abschaltung.
Laufende Kosten: Die meisten GPS-Tracker brauchen ein Abo für die Mobilfunkverbindung. Rechne Gerät und Abo über die geplante Nutzungsdauer zusammen und vergleiche das mit dem Wert deines Rads.
